Halle, 01.10., 19:00 Uhr, 5 Euro
Viele wünschen sich schon lange die Realisierung eines Programmkinos in Offenbach - hier ist es. In der Werkstatt entsteht bis zum ersten Oktober ein ebenso komfortabler wie ästhetischer Rahmen für einen freitäglichen Filmbetrieb. Die Vorführungen beginnen um 20 Uhr, Einlass ist jeweils um 19h30. Die heutige Eröffnung startet bereits um sieben, da sie mit Live-Musik, feierlichen Reden, der ersten Film-Vorführung und schließlich einer Party ein abendfüllendes Programm bietet. Der Eintrittspreis ist an allen Freitagen fünf Euro. So auch heute für das Eröffnungsfest. Musik: ein Live-Auftritt von Tess Wiley, die vor zwei Jahren auf der Open Air Bühne gespielt hatte. Wer sie damals gesehen hat, wird sich freuen. Ach ja, der erste Film: Ich und Du und Alle, die wir kennen:
Die Entscheidung über den Eröffnungsfilm; sie erwuchs beinah zur Glaubensfrage. Womit beginnen wir das Hafenkino, welcher Film drückt denn am ehesten aus, was wir hiermit verbinden? Etwas klassisch-zeitloses, oder doch mal wieder Cinema Paradiso und die Hommage an die magische Unschuld des Kinoerlebens? Oder doch im Zweifel für Truffaut? Im Zweifel für den Zweifel: Ich und du und alle, die wir kennen! Weil mutiges, frisches, bezaubernd sanftes Kino so viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Entrückte Alltagspoesie von Miranda July also; für uns und für Sie und für alle, die wir kennen. Ein Eröffnungsabend mit Livemusik von der bezaubernden Tess Wiley und anschließender Partysause: Hafenkino, es kann losgehen!
(Me and you and everyone we know, Miranda July; USA/UK 2005, 91 Min.)
Auch wenn dieser Trailer auf englisch ist: wir zeigen die deutsche Fassung.
Werkstatt, 08.10., 20:00 Uhr
Die Sache mit den schwulen Cowboys... oder eben auch: Ang Lees Meisterstück, Einsamkeit, Sehnsucht und Leidenschaft ohne Pathos, anrührend, einfühlsam und doch rätselhaft magisch zu inszenieren. Die Darstellung dieser Liebesbeziehung, das ist Kinokunst in epischer Breite. Lee seziert mit konventioneller Erzählstruktur den tragischen Widerspruch zwischen der Weite des Landes und dem Mangel an Freiheit des Einzelnen. All das ist zeitgemäß und von universeller Gültigkeit.
(Brokeback Mountain, Ang Lee; CAN/USA 2005, 134 Min.)
Werkstatt, 15.10., 20:00 Uhr
Nichts Neues mehr im Auftragskiller-Genre? Ein Irrtum! Brügge sehen...und sterben? gelingt durch Innovation, Mut, Witz und einem Hang zum Fantastischen eine außergewöhnliche Neubelebung. Seit Fargo hat es nicht mehr so viel Spaß gemacht, Killern bei ihrem Handwerk zuzuschauen. Und dann der ständig wechselnde Tonfall: mal kongenial schwarzhumorig, dann absurd existenzialistisch und schließlich surreal grotesk. Ein einziges Vergnügen. Und eine Hauptdarstellerin, deren Magie man restlos ausgeliefert ist: Brügge!
(In Bruges, Martin McDonagh; UK/USA 2008, 107 Min.)
Werkstatt, 22.10., 20:00 Uhr
Haneke ist bei uns ja immer vertreten. Weil er durchweg Filme schafft, die wichtig sind. Weil er den Betrachter zu einer Auseinandersetzung zwingt. Weil er ein Nachdenken evoziert, das weit nach Filmende wirksam wird. Und hier kommt noch dazu: Isabelle Huppert mit einer Schauspielleistung, für die einem die Worte fehlen. Das wird dann wohl kein sonderlich entspannter Freitagabend... muss ja nicht immer.
(La Pianiste, Michael Haneke; AUT/FRA/GER 2001, 131 Min.)
Werkstatt, 29.10., 20:00 Uhr, 5 Euro
Endlich mal wieder gute Komödien! Wes Anderson (Die Tiefseetaucher, Darjeeling Limited) versteht es als einer der wenigen, Details genau zu beobachten, Drama und Komödie subtil zu verbinden und diese dann auch exzellent zu besetzen. Die Tenenbaums ist das besondere Porträt einer kuriosen Sippe: skurril, charmant, dramatisch. Eben ein Familienfilm.
The Royal Tenenbaums, Wes Anderson, USA, 110 Min.)
Werkstatt, 05.11., 22:00 Uhr
(Filmbeginn ausnahmsweise um 22:00 Uhr!)
Selbst im Lynch-Kosmos nimmt Mulholland Drive eine ästhetische Sonderstellung ein. Wir zeigen das Meisterwerk zu etwas späterer Stunde noch einmal auf der großen Leinwand – und da gehört es definitiv auch hin.
(Mulholland Dr., David Lynch; USA/FRA 2001, 141 Min.)
Werkstatt, 12.11., 20:00 Uhr
Stanley Kubricks Atomkriegs-Satire ist immer noch der radikalste, respektloseste und treffsicherste Filmbeitrag zu diesem Thema. Das Wettrüsten als Farce – und dank Peter Sellers auch als ein ganz großes Vergnügen!
(Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb, Stanley Kubrick; UK 1964, 93 Min.)
Werkstatt, 19.11., 20:00 Uhr
Bei Hitchcocks Meilenstein reicht manchmal auch ein Satz: „Die Summe aller filmischen Erfahrungen“ (François Truffaut).
(North by Northwest, Alfred Hitchcock; USA 1959, 131 Min.)
Auch wenn dieser Trailer auf englisch ist: wir zeigen die deutsche Fassung.
Werkstatt, 26.11., 20:00 Uhr
Selten hat die Oscar-Akademie weiser entschieden, als in dem Vorzug von Kathryn Bigelows minimalistischem Irak-Kriegsfilm The Hurt Locker gegenüber des Avatar-Spektakels als Film des Jahres 2009. Bigelows Darstellung des Kriegs als energetische Droge, die jede politisch-moralische Stellungnahme vermeidet, ist auch eine Liebeserklärung an den Ort des Filmerlebens selbst, den des Kinos. Nur hier wirkt ihr Werk so unmittelbar, die Spannung lässt sich körperlich erfahren. Insofern gelingt der Regisseurin Beachtenswertes: das Actiongenre erfährt eine Wiederbelebung durch cineastische Rückbesinnung. Mit den Mechanismen des traditionellen, von Machoismen durchtränkten Actionkinos gelingt hier eine beeindruckend neuartige filmische Reflexion über den Alltag des Krieges.
(The Hurt Locker, Kathryn Bigelow; USA 2008, 131 Min.)
Alle Filme werden auf deutsch gezeigt!
Werkstatt, 03.12., 20:00 Uhr
Der Inbegriff dessen, was Woody Allen ausmacht: durch das brillante Changieren zwischen Heiterkeit, Ironie und tragikomischem Witz gehört Der Stadtneurotiker zum Klassiker moderner Filmkomik. Er bleibt damit wohl noch etwas längere Zeit unerreichtes Vorbild sämtlicher Beziehungskomödien. Die Schnittstelle zwischen Komik und Tragik wurde selten auf so sympathisierend-sarkastische Weise ausgelotet. Und in Anlehnung an John Waters gilt doch auch hier der Ratschlag: „Schlafen Sie mit niemandem, der diesen Film nicht liebt!“
(Annie Hall, Woody Allen; USA 1977, 93 Min.)
Auch wenn dieser Trailer auf englisch ist: wir zeigen die deutsche Fassung.
Werkstatt, 10.12., 20:00 Uhr, 5 Euro
Es ist so viel über Andersons Mammutwerk geschrieben worden. Von einer Parabel auf den Kapitalismus bis hin zu dem Entwurf der Entstehung Amerikas reichten die Interpretationsansätze. Hier nur so viel: Andersons Geschichte dreht sich um Kirche, Kapital, Öl und Blut. Es sind wohl Elemente wie die Ruhe im Erzählen, die Zeit für die Figuren, die Präzision der Bildkompositionen und der latent desillusionierende Unterton, die hier fast beiläufig eine neue Hollywood-Ära einläuten. Dank der Meisterleistung von Daniel Day Lewis - hier auf dem Zenit seiner Karriere - zählt There Will Be Blood bereits jetzt zu einem Klassiker des amerikanischen Kinos. Oder um es mit Georg Seeßlen zu sagen: "Es sind Filme wie dieser, die das Kino zu einem wichtigen Ort machen. Immer noch, trotz alledem und mehr denn je".
There Will Be Blood, Paul Thomas Anderson; USA 2007, 158 Min.
Alle Filme werden auf deutsch gezeigt!
Werkstatt, 17.12., 20:00 Uhr
„Es tut mir leid, wenn ich euch störe, Leute, aber ich tanze immer den letzten Tanz der Saison.“
(Dirty Dancing, Emile Ardolino; USA 1987, 105 Min.)
Mit diesem Film geht das Hafenkino in die alljährliche kurze Hafen-2-Winterpause. Ende Januar geht es weiter!
Alle Filme werden auf deutsch gezeigt!